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Neue Gründerzeit für die ITK-Industrie

28.07.2011, 15:27 Uhr

Business Lunch am 22. Juli 2011 mit Cem Özdemir

Cem Özdemir

Prominenter Gastredner beim Business Lunch am 22. Juli 2011 war Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Zum Veranstaltungsthema „Digitale Zukunftschancen in Baden-Württemberg und Deutschland“ betonte er, die Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) sei eines der wichtigsten Zukunftsthemen der Landesregierung, das diese unter anderem durch bessere Ausbildungschancen fördern wolle. Die Veranstaltung organisierte bwcon gemeinsam mit dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM), der rund 90 Prozent des deutschen ITK-Marktes repräsentiert.

Einen Tag nach Bekanntgabe der Stresstest-Ergebnisse für Stuttgart 21 und nach der Einigung der Staats- und Regierungschefs auf ein zweites Hilfspaket für Griechenland warteten die Journalisten im Stuttgarter Hotel Le Meridien gespannt auf die Einschätzungen des Grünen-Chefs. Im Mittelpunkt des Business Lunches aber stand ausschließlich das Thema digitale Zukunftschancen. Derzeit betrage der Anteil der ITK-Industrie am Bruttoinlandsprodukt 15 Prozent, sagte Prof. Dr. Armin Heinzl, Lehrstuhlinhaber der Universität Mannheim und Vorstandsmitglied bei bwcon, bei seiner Begrüßung. Ulrich Dietz, Mitglied des Präsidiums des Hightech-Verbands BITKOM und Vorsitzender des Vorstands der GFT Technologies AG, betonte in seiner Einführungsrede: „Auch in Zukunft wollen wir die ITK-Industrie, für die Baden-Württemberg weltweit einer der wichtigsten Standorte ist, stärken und ihr Gehör verschaffen.“

Cem Özdemir hob zu Beginn seines Vortrages hervor, dass in Baden-Württemberg mit dem Regierungswechsel eine neue Gründerzeit angebrochen sei, wie es auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner Regierungserklärung bekräftigt habe. Die neue Regierung sei weder ein Grund, ängstlich zu sein, noch dürfe man sich auf bestehenden Erfolgen ausruhen. So sei beispielsweise die Automobilindustrie nach wie vor ein äußerst wichtiger Wirtschaftsfaktor, dennoch müssten in Zukunft energieeffizientere Autos gebaut werden, denn Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz seien wichtige globale Themen. Und gerade dabei spiele die ITK-Industrie eine Schlüsselrolle: „Green IT ist für uns das Zukunftsthema“, so Cem Özdemir. Dazu gehöre eine intelligente Verkehrssteuerung, bei der alle Verkehrsträger für den Transport von Personen und Gütern vernetzt werden, ebenso wie ein intelligentes Gebäudemanagement, das Ressourcen schone. Als Beispiele nannte Özdemir Jalousien, die bei starker Sonnenstrahlung Jalousien automatisch herunterfahren, und Waschmaschinen, die sich automatisch dann anschalten, wenn das Stromnetz keinen Bedarfsspitzen ausgesetzt ist. In solche Bereiche gelte es zu investieren. „Im vergangenen Jahr aber haben die 27 EU-Länder 296 Millionen Euro für den Öl-Import aus Nicht-EU-Ländern bezahlt. Dieses Geld dient nicht gerade dem Aufbau von Demokratie und löst sich zudem in CO2 auf. Es lässt sich sicherlich sinnvoller einsetzen, um hier Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen“, sagte Cem Özdemir.

Forschungsleistungen fördern und Ausbildungschancen verbessern
Grüne Politik schaffe dafür die Rahmenbedingungen. Steuersenkungen auf Kosten nachfolgender Generationen seien nicht das Ziel, betonte Özdemir. Vielmehr stünden Haushaltskonsolidierung und Steuervereinfachungen im Vordergrund. Wichtig sei zudem, dass Forschung und Entwicklung nicht nur für Dax-Unternehmen, sondern auch für kleine und mittelständische Unternehmen möglich sei. Statt Steuersenkungen seien vereinfachte Abschreibungsmöglichkeiten für den Bereich Forschung sehr viel zielführender. Insbesondere müsse die Politik dem Fachkräftemangel durch eine bessere Ausbildung begegnen. Laut dem von den Industrie- und Handelskammern in Auftrag gegebenen Branchen-Atlas könnten in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 mehr als 500.000 Fachkräfte fehlen. „Deswegen darf es nicht sein, dass 20 Prozent der Schulabgänger nicht einmal über Basisqualifikationen wie Lesen und Schreiben verfügen“, betonte Cem Özdemir. Ziele seien die frühkindliche Förderung, die Einführung von Ganztagsschulen und angemessene Jobangebote für ältere Menschen. „Ein 55-jähriger Stahlkocher wird nicht über Nacht zum Software-Experten – wohl aber seine Kinder, wenn sie entsprechend ausgebildet werden“, so Cem Özdemir. Wichtig sei es, sowohl auf einheimisches Personal als auch auf Fachkräfte aus dem Ausland zu setzen.

ITK-Industrie als Zukunftsfeld der Landesregierung
Bei diesen Themen setze die grün-rote Regierung in Baden-Württemberg Maßstäbe. Neben Mobilität, Umwelttechnologie und Gesundheit/Pflege sei die ITK-Industrie eines der vier Zukunftsfelder der Landesregierung; darauf sollten 80 Prozent der Fördermaßnahmen des Landes konzentriert werden, so Özdemir. Denn Hightech sei gefragt, um im globalen Wettbewerb an der Spitze zu bleiben.

Zum Abschluss seines Vortrages regte Cem Özdemir die Teilnehmer des Business Lunches zum Engagement an: „Wir laden alle herzlich ein, mitzumachen, denn die Politik definiert lediglich die Spielregeln, die Bevölkerung aber muss die Tore schießen. Mit Ideenreichtum wollen wir dafür sorgen, dass Erfinder und Tüftler weiterhin aus Baden-Württemberg und aus Deutschland kommen.“


 

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