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Ehe auf Zeit – Gründer und VC-Geber
01.07.2009, 15:35 Uhrbwcon: VC-Stammtisch am 15. Juni 2009
Beim Einstieg in ein junges Unternehmen ist der Venture Capitalist nicht nur Geldgeber, sondern wesentlich an der Willensbildung beteiligt. Wie bei der Ehe ist daher nicht nur die Höhe der „Mitgift“ entscheidend, sondern auch die Social Skills des VC-Gebers. Darum prüfe, wer sich bindet – auch wenn es nur für ein paar Jahre ist. Das riet Dr. Bernhard Schirmers, Gründer und Partner der SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH, beim bwcon: VC-Stammtisch am 15. Juni 2009.
Wegen der Wirtschaftskrise sei die Situation für Gründer leider nicht einfach, begann Bernhard Schirmers seinen Vortrag beim bwcon: VC-Stammtisch. Davon sollten sie sich aber nicht schrecken lassen, Gründer hätten es noch nie einfach gehabt und könnten dennoch erfolgreich sein. Als Beispiel führte er Cyrus Field an, der im Jahr 1854 die Idee des Transatlantikkabels entwickelte. Erst nach vielen Widerständen war er 1866 erfolgreich – und erwirtschaftete hohe Gewinne. „Gründer müssen schnell viel lernen, und das in einer Umgebung, die Fehler nicht so schnell verzeiht“, so Bernhard Schirmers. Unterstützen könne dabei – neben den finanziellen Mitteln – der VC-Geber.
Zusammenarbeit sorgfältig prüfen
Wichtig ist es für das Gründerteam zunächst, den richtigen VC-Geber zu finden. Dafür muss es den in den Richtlinien festgeschriebenen Anlagefokus der jeweiligen Venture Capitalists genau ansehen. So investiert die SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH beispielsweise ausschließlich in den Bereich Life Science. „Auch wenn wir Google2 entdecken, dürften wir mit dem aktuellen Fonds nicht in ein IT-Unternehmen einsteigen“, so Bernhard Schirmers.
Danach gilt es zu prüfen, wie der VC-Geber tickt, und ob man es gemeinsam 5 bis 15 Jahre aushält – auch unter äußerst stressigen Bedingungen. „Bis ein Produkt serienreif am Markt ist, herrscht ein ständiges Auf und Ab. Sehr schnell gibt es Druck von außen, und der Kessel kriegt Löcher“, schilderte Bernhard Schirmers die Situation junger Unternehmen. Der Druck komme von vielen Seiten, auch aus unerwarteten Ecken. „Nach den ersten Referenzprojekten wird der Wettbewerb böse und hat viele Möglichkeiten, zu beißen.“
Frühzeitig an den Exit denken
Schon am Anfang der Zusammenarbeit sollten Gründer und VC-Geber an den Exit denken. Es handelt sich schließlich immer um eine Ehe auf Zeit, der Investor will nach einem gewissen Zeitraum verkaufen. Aufpassen muss man beispielsweise bei so genannten Liquidationspräferenzen, die festlegen, dass ein Investor beim Verkauf sein investiertes Geld zurückbekommt, bevor andere Gesellschafter zum Zuge kommen, häufig auch mit einer jährlichen Verzinsung. „Das heißt, wer zuletzt kommt, kriegt am meisten“, so Bernhard Schirmers. Daher gilt es, das Vertragswerk genau zu prüfen.
Rosenkrieg vermeiden
Der kritischste Erfolgsfaktor sei seiner Erfahrung nach der Mensch. Auch wenn das Gründerteam am Anfang äußerst euphorisch ist, kann es sehr schnell zu Disharmonien kommen. Deswegen ist es ratsam, schon zu Beginn an faire „Scheidungsklauseln“ zu denken. Empfehlenswert ist es beispielsweise, dass eine Trennung durch eine einfache Mehrheit beschlossen werden kann. Ein guter VC-Geber sollte wissen, was schief gehen kann, und die Wogen frühzeitig glätten können. Ansonsten gibt es schnell ein Melodrama. Und einen Rosenkrieg kann sich kein junges Unternehmen leisten.
Quelle: Gitta Rohling, Auftrag Wort

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